Archiv der Kategorie: Kino bei Tisch

WEIHNACHTSKINO 23.12.2014

Färberwirt Bad Zell

Eintritt frei!

17:30 – „Pipi Langstrumpf“

19:30 – „Zimt und Koriander“

Komödie. Griechenland, Türkei 2003

Spice up your life. Berückend würzige griechisch-türkische Komödie über das Geheimnis, wie man aus dem Eintopf des Lebens sein persönliches Luxusmenü zaubert.

Opa Vassilis (Tassos Bandis), der in Istanbuls griechischem Viertel lebt, hat das richtige Gefühl für Geschmack – in jeder Hinsicht. Für ihn ist Essen weit mehr als Nahrungsaufnahme, es ist eine ganze Philosophie, die alle Bereiche des Lebens beherrscht. Vassilis hat für alle Eventualitäten das richtige Rezept, und wenn etwas nicht stimmt, weiß er genau, welche Ingredienzen fehlen.
Sein Enkel Fanis (George Corraface) ist in dieser wunderbaren Welt der Gerüche, Gewürze und Geschmäcker aufgewachsen. Mittlerweile ist er ein erwachsener Mann, arbeitet als Astrophysiker und lebt in Griechenland. Als sein Großvater erkrankt, macht sich Fanis auf die Reise in seine Vergangenheit. Und hier findet er nicht nur lange verloren geglaubte Genüsse wieder, sondern auch Liebe und Schmerz – denn die Begegnung mit seiner früheren Freundin Saime konfrontiert Fanis sowohl mit zwischenmenschlichem Glück als auch mit dem immer noch nicht gelösten Konflikt zwischen Griechen und Türken, der Fanis’ und Saimes junges Glück einst jäh zerrissen hat. Und wieder aufgewärmte Gefühle sind bekanntlich unberechenbar: Entweder werden sie bitter, oder sie entwickeln im neuen Feuer erst ihren ganz besonderen Geschmack.

Regie: Tassos Boulmetis
Mit: Ieroklis Michaeilidis, Georges Corraface

 

DIE KRIEGERIN

28.11.2014, 20:00 Uhr, Gasthaus Wirt in Zellhof

Eintritt frei!

Marisa (Alina Levshin) gehört zur rechtsextremen Szene einer ostdeutschen Kleinstadt. Sie schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt und hasst Ausländer, Schwarze, Politiker, Juden und die Polizei. In Marisas Augen sind vor allem die Ausländer schuld daran, dass ihr Freund im Knast sitzt und alles um sie herum den Bach runter geht. Als dann auch noch das junge Mädchen Svenja (Jella Haase) zur Clique stößt, ist Marisa alles andere als begeistert. Ihr geht Svenja gehörig auf die Nerven. Nachdem Marisa und ihre Clique mit den zwei jungen Asylbewerbern Jamil (Najebullah Ahmadi) und Rasul (Sayed Ahmad Wasil Mrowat) aneinander geraten, eskaliert der Streit. Ohne es zu ahnen löst Marisa eine Kette von Ereignissen aus, die ihr Leben völlig auf den Kopf stellt. Während Svenja immer tiefer in die rechte Szene rutscht, beginnt Marisa ihre rechtsradikale Einstellung zu überdenken. Aus der Feindschaft wird eine vorsichtige Freundschaft mit einem der Ausländer. Als sie sich dazu entschließt, auszusteigen, ahnt sie noch nicht, dass dies nicht so einfach klappt. Marisa beginnt darum zu kämpfen, sich aus der rechten Szene zu lösen.

 

GOOD BYE, LENIN!

31.10.2014, 20.00 Uhr, Gasthaus Raabmühle

Eintritt frei!

Ost-Berlin, Sommer 1990: Deutschland steht vor der Wiedervereinigung. In irrwitzigem Tempo wird der sozialistische Traum entsorgt. DDR-Produkte verschwinden aus den Regalen, Coca-Cola-Banner schmücken Plattenbauten. Eine Übernahme im Handstreich. Nur für den 21-jährigen Alex geht nichts voran. Kurz vor dem Fall der Mauer fällt seine Mutter Christiane, eine verdiente Aktivistin der Deutschen Demokratischen Republik und Gorbatschow-Anhängerin, ins Koma – und verschläft den Siegeszug des Kapitalismus. Als sie nach acht Monaten die Augen wieder aufschlägt, erwacht sie in einem neuen Land. Sie hat nicht miterlebt, wie West-Autos und Fast-Food-Ketten den Osten überrollen, wie man hastig zusammenwachsen lässt, was zusammen gehört. Lenin ist von seinem Sockel gestiegen. Die Faust zum sozialistischen Gruß gereckt, schwebt er von einem Helikopter baumelnd ein letztes Mal durch die Straßen der Hauptstadt. Good Bye, Lenin! Welcome D-Mark. Erfahren darf sie von alledem nichts: Zu angeschlagen ist ihr schwaches Herz, als dass sie die Aufregung überstehen könnte. Alex ist keine Atempause gegönnt. Um seine Mutter zu schützen, lässt er nun auf 79 Quadratmetern Plattenbau die DDR wieder auferstehen. Schnell stellt er fest, dass dieser Plan schwieriger umzusetzen ist als erwartet …

„Good Bye, Lenin!“ ist ein skurriler Trip in eine Zeit, die noch gar nicht so lange vorbei und doch so fern ist. Regisseur Wolfgang Beckers Szenario ist ebenso absurd wie denkbar. Genau diese Spannung zwischen Satire und Realitätsnähe verleiht dem Film seinen besonderen Charme, zumal es sich der Regisseur nicht nehmen lässt, an beiden Systemen leise, aber dennoch hörbare Kritik zu üben.

 

WE WANT SEX

14.03.2014, 20.00 Uhr, Gasthaus Raabmühle

Eintritt frei!

Die Näherin Rita O’Grady führt ein normales, unspektakuläres Leben. Sie ist Ehefrau, Mutter und arbeitet in den Fordwerken von Dagenham. Doch dann steht sie unverhofft an der Spitze einer 187-köpfigen Belegschaft, muss die Frauen gegenüber Gewerkschaftsführern und Firmenbossen repräsentieren, obwohl sie über keinerlei politische Erfahrung verfügt. Einerseits schüchtern und unsicher, andererseits mit gesundem Menschenverstand und ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn ausgestattet, avanciert sie allmählich zur klassischen „Cole-Heldin“: Sie demonstriert ungeahnte Fähigkeiten und Talente, erfindet sich neu und bleibt dabei doch mit beiden Beinen auf dem Boden, bewahrt sich ihre unprätentiöse Natürlichkeit.

Ritas Weg von der unscheinbaren Arbeiterin zur Galionsfigur von Arbeitskampf und Emanzipationsbewegung steht im Zentrum der Ensemble-Geschichte. Wie alle Cole-Filme passt auch We Want Sex in kein Genre, sondern bietet eine Mischung aus leicht und schwer, hell und dunkel, ernst und komisch. Es geht um die Dynamik im Frauenteam – zu dem neben Rita noch die mütterliche Connie, die frivole Brenda und die niedliche Sandra zählen – um Konkurrenz, Solidarität und die frechen Sprüche, die im Minutentakt vom Stapel gelassen werden und deren Ziel nicht selten der Gewerkschaftsobmann Albert ist. Um unwahrscheinliche Allianzen, wenn Rita und Lisa, die Ehefrau des Fordchefs Peter Hopkins, überraschend an einem Strang ziehen. Und am Rande geht es auch um das Verhältnis der Geschlechter: Wenn das Land neue Frauen bekommt, dann braucht es auch neue Männer.

Ritas Gatte Eddie beispielsweise gibt sich durchaus Mühe, seine streikende Frau zu unterstützen. Doch je länger die Auseinandersetzung andauert, desto mehr kratzen Ritas Erfolge an seinem Selbstwertgefühl. Konkret und beiläufig zugleich illustriert Cole hier, wie sich etwas verändert in der Gesellschaft, wie Kräfteverhältnisse sich verschieben und eine neue Balance entsteht. Ein Prozess, der auch auf höchster Ebene gespiegelt wird: Auch Barbara Castle, die „feurige Rote“ im Kabinett Harold Wilsons, muss sich trotz ihrer sprichwörtlichen Resolutheit permanent gegen bornierte und chauvinistische Vertreter männlicher Herrlichkeit durchsetzen.

The Straight Story – Eine wahre Geschichte

Freitag, 31.01.2014, Gasthaus Populorum                           Eintritt frei!

Als der 73jährige Alvin Straight erfährt, dass sein über 500 Kilometer entfernt lebender Bruder Lyle einen Herzinfarkt hatte, tritt er mit einem fahrbaren Rasenmäher die Reise zu ihm an. Die mehrwöchige Tour ist gespickt von Hindernissen und Begegnungen, die Straights Leben verändern. Wenn man eine Kurzzusammenfassung der Handlung von The Straight Story – Eine wahre Geschichte liest, befürchtet man vor allem eines: Langeweile. Aber obwohl das Erzähltempo sehr gemächlich ist und teilweise eine fast schon meditative Ruhe ausstrahlt, ist die Geschichte alles, nur nicht langweilig. Ein umwerfender Richard Farnsworth spielt Alvin Straight, einen dickköpfigen Rentner, der schon zu viel durchgemacht hat um sich um die unwichtigen Dinge des Lebens zu kümmern. Zusammen mit seiner Tochter Rose, dargestellt von Sissy Spacek, wohnt er im verschlafenen Nest Laurens in Iowa, wo ihn eines Tages die Nachricht erreicht, dass sein Bruder, mit dem er seit zehn Jahren im Streit liegt und kein Wort mehr gewechselt hat, einen Herzinfarkt hatte. Wachgerüttelt von dieser Meldung möchte er ihn wieder besuchen um die Differenzen beizulegen. Problem: Bruder Lyle wohnt in einem ganz anderen Staat und Alvin hat weder einen Führerschein, noch Lust auf jemanden angewiesen zu sein um dort hin zu gelangen. Lösung: Ein fahrbarer Rasenmäher muss als außergewöhnliches Transportmittel herhalten.